
Sancho Panza und Don Quijote.
Mit vertauschten Rollen.
Das ist das Bild, was ich den Rest meines Lebens von meinem großen und bewundernswerten Freund Alex Brüggemann in mir tragen werde.
Während er der hochgewachsene, klarsichtige und duldsame Ritter war, kam mir die Rolle des etwas sprunghaften Narren zu, der ihn immer wieder in unsinnige Abenteuer hinein zog, deren Konsequenzen wir am Ende beide zu tragen hatten.
Alex lernte ich kennen, als er als Gamedesigner mit vier weiteren hoffnungsvollen jungen Männern an einem Spiel namens GOTHIC arbeitete.
Das liegt gefühlt hundert Jahre zurück und GOTHIC ist mittlerweile ein Stück deutsche Game-Geschichte.
Später dann hatte ich das Privileg, ein gutes Dutzend Spiele mit ihm gemeinsam zu erarbeiten. Und mir wurde schnell klar, dass sein unglaubliches Talent bei den kleinen Grabbeltisch-Games, an denen wir damals arbeiteten, total vergeudet war.
Ich hatte immer das Gefühl, dass wirkliche Meisterwerke noch vor ihm liegen würden, und dass er einmal als einer der ganz Großen in die Geschichte der Computerspiele eingehen würde.
Games waren wirklich seine Leidenschaft.
Was für ein brillianter analytischer Verstand! Und dabei nie das außer acht lassend, was ein Spiel wirklich für den Spieler zum Spaß macht.
Er konnte wunderbar ruchlos sein, wenn es darum ging, Funktionen und Ideen liegen zu lassen, die nicht passten oder sich als Sackgasse herausstellten.
Und er besaß eine natürliche Autorität. Das half, wenn die Diskussionen zu albern wurden. Und das kam nicht selten vor...
Ich hatte große Hoffnungen für ihn, als er begann an den SIEDLER-GAMES zu arbeiten und endlich wieder auf dem richtigen Karriereweg zu sein schien.
Auch lernte ich viele unserer gemeinsamen Freunde in dieser Zeit kennen, deren Nähe in den letzten Jahren zu einem echten Trost geworden ist.
Für mich war er immer nur mein großer Freund Alex.
Der große Bruder, den ich nie hatte.
Sein weiser und trockener Humor war immer eine Quelle des Trosts und der Ermutigung.
Und er fehlt mir nun so sehr.
Als mich seine Frau Bärbel vor gut 3 Jahren (oder war es später? Ich kann gerade nicht klar denken...) wissen ließ, das Alex an Krebs erkrankt war, brach ich im Türrahmen am Telefon heulend zusammen.
Lange genug hatte ich während meiner Studienzeit im Krankenhaus gearbeitet, um die Konsequenzen zu kennen, die sich aus dieser speziellen Diagnose ergaben.
Ich wollte nicht, dass er und Bärbel da durch gehen mussten.
Und ich kann mir nicht vorstellen, was die beiden danach durch gemacht haben.
Jedes Treffen mit den beiden in der Zeit danach, hüte ich wie einen großen Schatz, und ich kann mich an jedes einzelne Mal sehr gut erinnern.
Als ich ihn vorgestern noch einmal sah, konnte ich ihn leider nicht in den Arm nehmen, aus Sorge, meine Erkältung zu übertragen.
Schließlich sollte er nicht die Zeit, die ihm noch blieb, mit meiner ollen Grippe verplempern.
Letzte Nacht verstarb Alex im Beisein seiner Mutter und seiner Frau und ich erfuhr heute morgen , am Sonntag, den 20.1.2013 davon.
So viel von ihm verbleibt in mir, und ich wünschte, ich könnte ihn noch wissen lassen, wie viel es mir bedeutet.
Bon Voyage ,Alex.
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