Ich hatte leider nur wenige Jahre, die ich an Pauls Seite gehen durfte, und jeder einzelne Moment davon hat sich tief in mein Gedächtnis eingegraben. Es gibt ein Bild von uns beiden, auf dem er mir entspannt beim Zeichnen zuschaut, während ich ihm dabei zuhöre, wie er aus seinem reichen Schatz an Lebenserfahrung schillernde Juwelen in Form von Anekdoten hervorzaubert. Ich glaube, dieses Bild beschreibt unsere Beziehung zueinander recht gut – auch wenn ich zu dem Zeitpunkt, als es entstand, noch nicht wusste, dass ich das von ihm ins Leben gerufene Comic-Seminar eines Tages weiterführen sollte.
Ich mag, dass er mir darauf über die Schulter schaut – denn ich glaube, genau das tut er noch immer, auch wenn er nun nicht mehr neben mir stehen wird.
Außerhalb dieses Bildes stehen noch immer Katja Rausch und das Team des Erlanger Kulturamts, die in diesen Tagen ebenfalls um Paul trauern und ohne die das Seminar gar nicht erst möglich wäre. Ich bin also in meiner Trauer nicht allein – besonders nicht in der kommenden Woche, in der das Seminar nun bereits zum 40. Mal stattfinden wird.
Paul hat in diesen vierzig Jahren viele Comic-Schaffende begleitet und ihrem Leben nicht selten eine neue Wendung verliehen – oft, ohne dass er es selbst beabsichtigt hätte. In diesen Tagen ist eine Welle großer Dankbarkeit ehemaliger Teilnehmerinnen und Teilnehmer sowie Dozentinnen und Dozenten spürbar – für diese von ihm geschaffene Werkstatt, in der Talente erblühen und Geschichten geerntet werden.
Es war und ist noch immer eine besondere Woche im Leben aller Beteiligten, und wir alle sind ihm unendlich dankbar dafür. Denn ohne ihn gäbe es sie nicht. Keine schlechte Hinterlassenschaft, oder?
Ich selbst fühle mich sehr privilegiert, dass ich Zeit mit ihm verbringen durfte und die Gelegenheit hatte, ihn auch privat ein wenig kennenzulernen – von den Höhen und Tiefen seines bewegten Lebens zu hören und ihn als Menschen zu erleben.
Dabei wurde mir klar, dass er zu den seltensten Vertretern unserer Spezies gehörte:
Paul war ein guter Mensch.
Er mag nun von uns gegangen sein – aber seinen Schatz hat er hiergelassen.